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Allgemein

Leistungsschutzrecht – Kompromissvorschlag ist eine gute Lösung für alle!

Am 20. Juni wird im Rechtsausschuss über die Urheberrechtsrichtlinie abgestimmt. Einige Artikel werden kontrovers und zuweilen sehr emotional diskutiert. In den letzten Tagen und Wochen heizte die Stimmung immer weiter auf und besonders zum Thema Leistungsschutzrecht kursieren viele Mythen und Halbwahrheiten im Internet. Daher möchte ich noch einmal darlegen, warum ich meine Meinung innerhalb der Debatte geändert habe und nun dem Kompromiss im Rechtsausschuss positiv gegenüberstehe.
Der Artikel wurde ursprünglich deshalb von der Kommission in die Richtlinie mit aufgenommen, da der Qualitätsjournalismus seit einigen Jahren in einer finanziellen Krise steckt, da sich im Internet eine „kostenlos“-Mentalität durchgesetzt hat und die meisten NutzerInnen nur noch auf kostenlos zur Verfügung gestellte Inhalte zugreifen. Die Zeitungsverleger haben jedoch auch den Fehler gemacht, Artikel, die identisch als Printbeitrag erschienen sind, ins Netz zu stellen. Danach musste jahrelang für paid content und digitale Abos geworben werden.

Gleichzeitig gibt es eine, zum Teil sehr gut finanzierte, Verbreitung von sogenannten Fake News. Die Entwicklung macht einen gut finanzierten und geförderten differenzierten Journalismus umso wichtiger.
Die Printumsätze der Zeitungsverlage gehen kontinuierlich zurück und die Werbeeinnahmen im Onlinebereich können das nur bedingt abfedern. Onlinesuchmaschinen wie Google zeigen die Links der Zeitungsartikel und ein bis zwei Sätze dieser an. Der Vorschlag der Kommission und auch der Kompromissvorschlag im Rechtsausschuss sehen vor, dass die Suchmaschinen die genutzten Inhalte lizenzieren sollen. Ich stehe dem Vorschlag des Ausschusses deshalb positiv gegenüber, da dieser vorsieht, dass auch die AutorInnen der gezeigten Artikel an den etwaigen Gewinnen der Verlage beteiligt werden. Auch wurde sichergestellt, dass das private und nicht-kommerzielle Verlinken weiterhin möglich ist. Daher ist die „Rettung des Links“ in meinen Augen sichergestellt. Die Eurobarometer Studie der Kommission aus dem Jahre 2016 zeigt auf, dass europaweit 47 Prozent der NutzerInnen die Überschriften der Suchmaschinen und Social Media Plattformen durchscrollen, aber nicht auf einen der Artikel klicken, um sich zu informieren. Daher bleibt der Traffic in diesen Fällen allein bei Google und Co, was sich negativ auf die Werbeeinnahmen der Verlage ausübt. Die Zahlen für Deutschland und Österreich sind sogar noch besorgniserregender: hier gaben 53 Prozent der Befragten an, nur auf den Seiten der Suchmaschinen zu verweilen (Spitzenreiter ist übrigens Litauen mit 67 Prozent). Für mich ist wichtig, dass der individuelle Nutzer nicht in seinem Verhalten eingeschränkt wird und das ist in meinen Augen durch den Kompromiss im Rechtsausschuss gesichert. Natürlich wird der Qualitätsjournalismus nicht durch diesen einen Artikel gerettet und das behaupte ich auch gar nicht – für mich ist er ein Schritt neben vielen anderen, die unternommen werden müssen und dafür setze ich mich ein. Anbei findet Ihr / finden Sie einen Link zur Eurobarometer-Studie.

The EuroBarometer 2016