- Helga Trüpel - https://helgatruepel.de -

Artikel 13, Lizenzierung, „Zensurmaschine“: FAQ zur Urheberrechtsreform (dt./en.)

Wird die Richtlinie zu Uploadfiltern führen? [1]

Zunächst sollten wir einmal festhalten: Upload-Filter gibt es schon längst. Sie werden von allen großen Plattformen seit Jahren flächendeckend eingesetzt. Auf diese Weise verhindern sie den Upload bestimmter Inhalte, die die AGBs der Plattformen missachten – also beispielsweise terroristische oder pornografische Inhalte.

Die Richtlinie zum Urheberrecht wird an dieser Praxis rein gar nichts verändern. Ohnehin regelt die Richtlinie auch überhaupt nicht, *wie* die Plattformen ihrer Verantwortung beim Schutz des Urheberrechts nachkommen sollen. Eine Verpflichtung zur Nutzung bestimmter Maßnahmen gibt es also nicht. Die Richtlinie verpflichtet niemanden zum Einsatz von Uploadfiltern!

Beim Urheberrecht geht es ja auch um etwas ganz Anderes: Hier soll grundsätzlich nicht etwa der Upload von Inhalten *verhindert* werden, sondern die Verwertung der Inhalte soll besser bezahlt werden – dies ist im Interesse der Urheber und der User. Mit Zensur hat das überhaupt nichts zu tun.

Klar ist, dass zumindest die größeren Plattformen aufgrund massenhafter Uploads nicht ohne technische Maßnahmen auskommen werden. Aber hier macht es einen Unterschied, *welche* Maßnahmen das sind. Filter, die pauschal nach bestimmten Merkmalen suchen, sind natürlich nicht fehlerfrei. Hingegen ist ein gezielter Abgleich der Uploads mit einer Datenbank an spezifischen Werken äußerst zuverlässig; *so* funktioniert es beispielsweise bei Shazam.

Wichtig ist aber vor allem eines, und hier gibt die Richtlinie klare Regeln vor: Overblocking darf es nicht geben. Plattformen müssen sicherstellen, dass nicht unrechtmäßig ausgefiltert wird. Das bezieht sich zum Beispiel auf Ausnahmen wie Memes, Parodien oder Rezensionen. Außerdem fordert die Richtlinie wirksame und zügige Beschwerdemechanismen, die eine manuelle Überprüfung durch einen Menschen beinhalten muss.

 

Will the directive lead to upload filters? [2]

First, we should note the following: Filter technologies *do* already exist. They have been used by all major platforms for years. In this way, they prevent the upload of certain content that disregards the general terms and conditions of those platforms – for example terrorist or pornographic content.

The copyright directive will not change anything about this practice. In any case, the directive does not regulate at all *how* platforms fulfil their responsibility to protect copyright. There is no obligation to use certain measures. The directive does not oblige anyone to use upload filters!

Actually, copyright is about something very different: It is not about *preventing* the upload of content, but about paying better for the use of content – this is in the interest of copyright holders (authors) and users. It has nothing to do with censorship.

It is clear that at least the larger platforms will not manage without technical measures due to mass uploads. However, here it makes a difference, *which* measures these are. Of course, filters that search for certain features are not error-free. On the other hand, a targeted comparison of uploads with a database of specific works is extremely reliable; this is how Shazam works, for example.

Above all one thing is important, and here the directive lays down clear rules: There must be no overblocking. Platforms must ensure that they do not filter unlawfully. This applies, for example, to exceptions such as memes, parodies or reviews. The directive also calls for effective and speedy complaint mechanisms, which must include a manual check by a human being.

 

Wie soll das mit dem Lizenzieren laufen? [3]

Eines der Hauptziele der Richtlinie ist es, dass künftig die *Plattformen* die Lizenzen von den Urhebern einholen. Bislang waren diejenigen dafür verantwortlich und auch haftbar, die die Inhalte hochgeladen haben – also in den meisten Fällen die User. Diese Situation war nicht besonders praktikabel und für die meisten User rechtlich problematisch.

Die Plattformen – die ja im Übrigen auch Geld mit den Inhalten verdienen – sollen nun Verträge mit Verwertungsgesellschaften abschließen. Damit sind alle Werke aller Urheber abgedeckt, die Mitglied dieser Verwertungsgesellschaften sind. Und um das klarzustellen: Dies gilt für die weltweite Verwertung aller Werke, und es gilt auch für *zukünftige* Werke. Es ist also keineswegs so, dass Plattformen für jeden einzelnen urheberrechtlich geschützten Inhalt jeweils vor dem Upload erst eine separate Lizenz erwerben müssen. Der Zusammenschluss von Urhebern in Verwertungsgesellschaften hat sich in der Vergangenheit bewährt und ist auch unter digitalen Bedingungen ein sinnvoller Rahmen.

Jetzt ist natürlich nicht *jeder* Urheber Mitglied einer Verwertungsgesellschaft. Viele User erstellen ihre eigenen Inhalte und laden sie hoch, ohne dass diese Inhalte von den Verträgen der Plattformen mit den Verwertungsgesellschaften abgedeckt sind. Doch mit der Zustimmung zu den AGBs der Plattformen erteilen sie die Lizenz für die Verwendung ihrer Werke.

In Fällen, wo Urheber die Veröffentlichung ihrer Werke gar nicht wollen, müssen sie selbst aktiv werden – entweder um einen Upload schon im Vorfeld zu verhindern, oder um ein Herunternehmen ihrer bereits hochgeladenen Werke zu erreichen und den Wiederupload zu verhindern. Mit Blick auf die Verantwortung der Plattformen hierbei legt die Richtlinie eine Haftungsgrenze fest, denn natürlich ist es unmöglich, dass eine Plattform sämtliche urheberrechtlich geschützten Inhalte weltweit kennen kann.

 

How is licensing going to work?

One of the main objectives of the Directive is to ensure that *platforms* obtain licences from authors in the future. So far, those who uploaded the content – in most cases the users – have been responsible and liable for it. This situation was not particularly practicable and legally problematic for most users.

The platforms – which, incidentally, also earn money with the content – are now to conclude contracts with collecting societies. This covers all works of all authors who are members of these collecting societies. And to make that clear: This applies to the worldwide use of all works, and it also applies to *future* works. It is therefore by no means the case that platforms must first acquire a separate licence for each individual copyrighted content before it can be uploaded. The merger of authors in collecting societies has proved its worth in the past and it is also a sensible framework under digital conditions.

Now, of course, not *every* author is a member of a collecting society. Many users create their own content and upload it without it being covered by the contracts between the platforms and the collecting societies. However, by agreeing to the terms and conditions of the platforms, they grant a licence to use their works.

In cases where authors do not want their works to be published at all, they must take action themselves – either to prevent an upload beforehand, or to achieve a removal of their already uploaded works and prevent the re-upload. Regarding the responsibility of the platforms in this respect, the directive sets a liability limit, because it is of course impossible for a platform to know all copyrighted content worldwide.

 

Führt Artikel 13 zu einer „Zensurmaschine“? [4]

Viele Gegner der Richtlinie behaupten, diese untergrabe die Freiheit des Netzes und es käme zu einer Zensur-Infrastruktur. Dabei geht es überhaupt nicht um Zensur, weder politisch noch sonst irgendwie. Politische Zensur findet in China statt, wo bestimmte Begriffe und Internetseiten geblockt werden. Die Reform des Urheberrechts hingegen wird keinesfalls zu Zensur führen, sondern hat die Lizensierung von Inhalten als Ziel.

Die Sorgen vor einer Einschränkung der Meinungsfreiheit oder gar einer politischen Zensur sind völlig unbegründet, denn die Richtlinie stellt klare Regeln auf, um das zu vermeiden: Wenn Plattformen sich zum Einsatz technischer Maßnahmen entschließen, dann müssen sie sicherstellen, dass nichtgeschützte Inhalte – also etwa Ausnahmen wie Zitate, Kritik, Rezensionen, Karikaturen, Parodien – nicht unrechtmäßig ausgefiltert werden. Wenn dies nicht gewährleistet werden kann, dann sind solche technischen Maßnahmen schlichtweg nicht rechtmäßig.

Zudem muss es wirksame und zügige Beschwerde- und Rechtsbehelfsmechanismen geben, die eine manuelle Überprüfung beinhalten – also die Überprüfung durch einen Menschen. Das Recht auf Meinungsfreiheit und die Möglichkeiten zur Meinungsfreiheit werden durch die Richtlinie also keinesfalls eingeschränkt.

Sämtliche Inhalte, für die ihr die Rechte habt, könnt ihr auch in Zukunft hochladen. Aber um das nochmal zu betonen: Bereits jetzt ist es nicht erlaubt, Inhalte hochzuladen, deren Rechte man nicht hat. Der Rechtsstaat gilt auch im Internet. Auch im Internet ist geistiges Eigentum geschützt.

 

Does Article 13 lead to a „censorship machine“?

Many opponents of the directive claim that it undermines the freedom of the internet and that it leads to a censorship infrastructure. But this is not at all about censorship, politically or otherwise. Political censorship takes place in China, for example, where certain terms and websites are blocked. The reform of copyright law, on the other hand, will certainly not lead to censorship, but aims at licensing content.

The concerns about restricting freedom of expression or even political censorship are completely unfounded, because the directive lays down clear rules to avoid this: When platforms decide to use technical measures, they must ensure that unprotected content – such as exceptions such as quotations, criticisms, reviews, cartoons and parodies – is not filtered out unlawfully. If this cannot be guaranteed, then such technical measures are simply not legitimate.

There must also be effective and speedy complaint and redress mechanisms, including manual review – that is, human review. The right to freedom of expression and the possibilities for freedom of expression are therefore not restricted by the directive in any way.

Any content for which you have the rights can be uploaded in the future. But to emphasize that: It is already not allowed to upload content for which you do not have the rights. The rule of law also applies to the Internet. Intellectual property is also protected on the Internet.