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Allgemein

Copyrightreform – nicht perfekt, aber gut genug. Warum ich für das Mandat stimme. (dt/en)

Ich möchte nochmals einige Dinge klarstellen, die meine Position im Streit um die europäische Urheberrechtsreform betreffen.

Warum halte ich diese Reform für notwendig und weshalb unterstütze ich das Verhandlungsmandat für Axel Voss (CDU)?

Digitale Plattformen wie YouTube haben ein ökonomisches Interesse daran, die Inhalte von Kulturschaffenden anzuzeigen. Dadurch entsteht Traffic, wodurch sie wiederum ihre Werbeeinnahmen generieren. Die außergerichtliche Einigung von YouTube und  GEMA ist nur vor diesem Hintergrund verständlich. Und genau deswegen kann man die Plattformen zum Gegenstand einer urheberrechtlichen Regulierung machen. Es muss transparent werden, was digitale Plattformen zahlen und zahlen müssen.

Wir wären dann mit der Regulierung des digitalen Kapitalismus ein ganzes Stück weiter. Bei der Urheberrechtsreform geht es mir im Kern um eine faire Bezahlung der Kreativen im Netz. Deswegen die Bezahlpflicht für Google & Co. Zudem müssen diese Monopole gezwungen werden, in der EU Steuern zu bezahlen, so wie andere Unternehmen auch. Sie profitieren von den Freiheiten des europäischen Binnenmarkts und sollten daher ihren fairen Beitrag zur Erhaltung seiner Strukturen leisten.

Was das europäische Leistungsschutzrecht (LSR) für Verlage angeht, möchte ich kurz auf die immerzu vorgebrachten Erfahrungen mit den nationalen Leistungsschutzrechten in Spanien und Deutschland eingehen: Google wird nicht ganz Europa auslisten. Sie wollen auf dem europäischen Markt sein. Sie konnten Spanien und Deutschland auf diese Weise erpressen, aber wenn alle europäischen Staaten und Verlage zusammen halten, wird das nicht gelingen.

Im Kontext des LSR wird gegen mich auch nicht zum ersten Mal der Vorwurf erhoben, ich sei Lobbyistin des Springer-Verlags und würde die Auseinandersetzung über die Notwendigkeit des LSR auf einen Kampf zwischen Giganten (Google vs. Springer) verkürzen. Angeblich würde ich die Lage der kleinen, unabhängigen Verlagshäuser übersehen. Dieser Darstellung möchte ich klar widersprechen.

Erstens setze ich mich für Vielfalt in der Medienlandschaft ein, es geht mir also gerade auch um die ökonomische Sicherung der Arbeit von kleinen Verlagshäusern. Außerdem haben wir die faire Bezahlung der JournalistInnen beim LSR in den Gesetzesvorschlag reingeschrieben.

Zweitens bin auch ich mit dem Kompromiss zu Art. 12 , der im Rechtsauschuss gefunden, nicht gänzlich zufrieden, da der Text sehr abgeschwächt wurde. Aber er wird weiterhin von den Verlagen unterstützt, denn er stellt immer noch eine Verbesserung gegenüber der aktuellen Situation dar. So destruktiv, wie immer wieder behauptet wird, kann der Kompromiss nicht sein, denn von betroffenen Verlagen erhalte ich seit einer Woche immer wieder Briefe mit der Bitte, mit meiner Stimme im Europaparlament das Verhandlungsmandat für Berichterstatter Axel Voss (CDU) zu unterstützen. Auch wenn die kleinen Verlage hier und da Nachbesserungsbedarf sehen, so erhoffen sie sich ganz klar eine Unterstützung des jetzigen Kompromisses. Mit ihrer Positionierung möchten die Kleinen wie auch die Großen der Buchbranche erreichen, dass der Trilog zwischen Parlament, Rat und Kommission rechtzeitig beginnt, um die Verhandlungen in dieser Legislatur erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Dieses Anliegen unterstütze ich.

Es geht auch nicht um die Strangulierung der kleinen und nicht-kommerziellen Anbieter. So sind Online-Enzyklopädien wie Wikipedia im Gesetzestext explizit ausgenommen. Überhaupt scheint mir, dass die am meisten umstrittenen Artikel (11 & 13) in ihrem Wortlaut kaum zur Kenntnis genommen werden. (Sie sind auf meiner Homepage zu finden.)

Mich also in einem Kampf der Giganten auf Seite von Springer zu verorten, wie Sascha Lobo und andere es machen, ist absolut irreführend. Das Argument, es würden die Kleinen geopfert und die Großen gestärkt, stimmt nicht. Wenn man diese Reform jetzt zu Fall bringt, profitieren vor allem die Monopole, weil sie die Kreativen nicht bezahlen müssen. Das ist letztlich eine neoliberale Position, die offenkundig auch Lobo vertritt. Meine Position ist das nicht.

 

I would like to clarify, again, some aspects about my position pertaining to the European copyright reform.

Why do I think this reform is necessary and why will I support the mandate for Axel Voss (CDU)?

Digital platforms like YouTube have an economic interest in displaying the contents created by artists. This is how they generate traffic, by which they gain income from ads. The extrajudicial settlement between YouTube and GEMA is only comprehensible before that background. This is why platforms can be subject to copyright regulation. It has to become more transparent what digital platforms actually pay and what they have to pay.

Achieving this, would bring us a great step forward in regulating digital capitalism. My aim in the copyright reform is essentially a fair remuneration of artists and creators for their creative content in the digital world.  This is why we need an obligation for Google & co to pay. Furthermore, these monopolies must pay taxes as much as other companies also do taxes. Since they all profit from the freedoms of the European Common Market, they should pay their fair share to support its structures.

Concerning the publishers’ right, I would like to address the experiences with the respective national laws in Germany and Spain, which are repeatedly brought into the debate: Google will not delist all of Europe. They want to be on the European market. They were able to blackmail Germany and Spain in that manner but if all European states and publishing houses close ranks, they will not succeed.

In the context of the publishers’ right, accusations are raised against me, i.e. that I am a lobbyist of Springer and that I would reduce the whole issue to a battle between giants (Google vs. Springer). Allegedly, I would overlook the small and independent publishers. Nothing could be further from the truth.

First, I advocate diversity in the media landscape, thus I strongly support the strengthening of the economic base especially of small publishers. Additionally, a fair remuneration of journalists is part of the proposal.

Secondly, I am also not fully satisfied with the compromise made in the Legal Affairs Committee concerning Art. 12, since the text has been watered down a lot. Nevertheless, publishers support this formulation as it still means an improvement compared to the current situation. It cannot be as destructive as repeatedly claimed otherwise publishers would not continue to address me since weeks with letters and mails, urging me to support the mandate of the rapporteur Axel Voss (CDU) during the vote in the European Parliament. Even if small publishers see room for improvement, they clearly hope for support of the current compromise. With their positioning, likewise big and small publishers aim to achieve that the trilogue between Parliament, Council, and Commission starts in time in order to close negotiations by the end of this term. I support this aim.

There is also no strangulation of small and non-commercial providers. For example, online encyclopedias like Wikipedia are explicitly excluded. Generally, it appears to me that the most controversial articles (11 & 13) are not really noticed in their exact wording. (They can be found on my homepage.)

Therefore, to put me on the side of Springer in a battle of giants, as Sascha Lobo and others do, is fundamentally misleading. The argument, that small players would be sacrificed in favor of big players is wrong. If the reform will now fail, the only ones profiting from all this would be the monopolies, since they would not have to pay the creative workers. Essentially, this is a neoliberal approach, which apparently also Lobo supports. However, this is not my position.