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Gastbeitrag: 30 Jahre Erasmus – Eine europäische Erfolgsgeschichte

(Weser-Kurier vom 24.01.2017, S. 2).

Der Rat der Europäischen Gemeinschaften beschloss im Jahr 1987, die Mobilität von Studierenden zu fördern und die Zusammenarbeit von Hochschulen in Europa zu verbessern. Damals konnte niemand ahnen, dass das Aktionsprogramm „Erasmus“ zu einer der großen Erfolgsgeschichten der Europäischen Union werden würde.

Seit 2014 steht der Titel Erasmus nicht mehr nur für den Hochschulbereich. Bestehende Programme wurden zusammengefasst, sodass die EU unter dem neuen Namen Erasmus+ nun auch die Mobilität von Lehrern, Auszubildenden, Jung-Unternehmern, Schülern und grenzüberschreitende Sport-Projekte unterstützt.

Erasmus hat in den letzten drei Jahrzehnten rund fünf Millionen Studenten und Auszubildenden zusätzliche Bildungschancen in den verschiedenen europäischen Ländern ermöglicht. Es bringt ihnen Sprachenlernen, Einblicke in die Bildungs- und Arbeitswelt anderer Länder. Aber auch interkulturelle Kompetenz und mehr Wissen über die Vielfalt der EU werden vermittelt.

Das ist nicht nur enorm wichtig für die eigene Persönlichkeitsentwicklung, sondern auch vor dem Hintergrund, dass in zahlreichen Mitgliedstaaten Populisten und EU-Skeptiker auf dem Vormarsch sind, die mit Klischees und Stereotypen auf Stimmenfang gehen. Sie mobilisieren Ängste und Vorurteile, gegen alles, was scheinbar nicht zur eigenen Nation gehört, gegen den Islam, gegen Migranten, gegen Roma und schließlich auch gegen die Europäische Integration. Gerade Erasmus ist hier eine starke Waffe im Kampf gegen Ressentiments, da es persönliche Horizonte erweitert, kulturellen Dialog fördert, internationale Erfahrung ermöglicht und den europäischen Geist stärkt.

Dem Europäischen Parlament ist es in harten Verhandlungen gelungen, das Erasmus-Budget bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent zu erhöhen. Es stehen 14,7 Milliarden Euro zur Verfügung. Aber allen Sonntagsreden zum Trotz: Leider sind die Mitgliedsstaaten das klare Bekenntnis zu Erasmus schuldig geblieben. So kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu finanziellen Schieflagen, weil die Länder ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen sind und somit Stipendien, Fördergelder und Gehälter der Mitarbeiter der nationalen Agenturen auszufallen drohten. Das sorgt nicht gerade für Vertrauen der jungen Europäerinnen und Europäer in die Union. Stattdessen brauchen wir mehr Verlässlichkeit und eine Aufstockung der Mittel nach 2020, sodass noch mehr junge Menschen profitieren können und Erasmus ein unverzichtbarer Baustein des Europäischen Hauses bleibt.