- Helga Trüpel - https://helgatruepel.de -

Gastbeitrag: Neue Chancen für Europas Jugend

(Weser-Kurier vom 22.09.2017)

Anhaltende Jugendarbeitslosigkeit, Währungskrise und steigender Euroskeptizismus verlangen mehr Engagement auf europäischer Ebene. Um diese Herausforderungen anzugehen, setzt eine neue Initiative Jean-Claude Junckers bei Europas dort an, wo der Solidaritätsgedanke schon früh gefördert werden muss: bei der Jugend. Die Europäische Kommission hat im Mai ein Programm auf den Tisch gelegt, das dazu beitragen soll, Jugendlichen neue Perspektiven aufzuzeigen: das Europäische Solidaritätskorps (ESC).

Was steckt dahinter? Das ESC hat das Ziel, bis zum Jahr 2020 insgesamt 100 000 Europäer zwischen 18 und 30 Jahren Zugang zu Freiwilligenstellen, Praktika, Projekten und Beschäftigungsmöglichkeiten im In- und Ausland zu ermöglichen. Der bisherige Europäische Freiwilligendienst wird in das ESC integriert und soll dabei in seinem Anwendungsbereich insbesondere auf solidaritätsbezogene Tätigkeiten etwa in den Bereichen Gesundheitswesen, Umweltschutz oder soziale Integration erweitert werden.

Junge Menschen sollen dabei nicht nur relevante Fähigkeiten für den Arbeitsmarkt sammeln, sondern auch eigene Solidaritätsprojekte entwickeln und sich so Erfahrungen und Kompetenzen für ihre persönliche, bildungsbezogene und soziale Entwicklung aneignen. Damit will das ESC einen Beitrag zur Stärkung des Zusammenhalts und des bürgerschaftlichen Engagements in der EU insgesamt leisten.

Ich bin als Berichterstatterin im Kulturausschusses für dieses Gesetz der Meinung, dass dieses Solidaritätsinstrument nur für Solidaritätsaktivitäten angewendet werden soll, und es keine Konkurrenz zum ersten Arbeitsmarkt geben soll. Nun geht es darum, den Legislativvorschlag der Europäischen Kommission auf eine solide Basis zu stellen. Zur Verfügung stehen in der Implementierungsphase bis 2020 etwa 341,5 Millionen Euro. Im Jahrzehnt nach 2020 soll das ESC, so der Plan von EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger, einen eigenen Haushaltstitel im Finanzrahmen der EU bekommen.

Während die öffentlichen Arbeitsverwaltungen in Italien und Frankreich schon dabei sind, erste Modellprojekte für Jugendliche zu entwickeln, sind die Reaktionen in Deutschland bisher zurückhaltend. Zurecht wird kritisiert, dass die Europäische Kommission keine ausreichende Konsultation vollzogen hat und das Online-Portal des ESC bereits freigeschaltet ist. Hier muss Gründlichkeit vor Schnelligkeit gehen. Als Berichterstatterin zum ESC für das Europäische Parlament werde ich diese Konsultationen nachholen, denn das Programm ist ein Schritt in die richtige Richtung zu mehr Solidarität in Europa.