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Allgemein

Laudatio zur Verleihung der VIA „Indie Axt“ 2018

Ich wurde kürzlich vom Verband unabhängiger Musikunternehmen e.V. (VUT) für meine Arbeit rund um die europäische Urheberrechtsreform ausgezeichnet. Ich freue mich sehr, dass der Verband meinen Einsatz für eine faire Vergütung von Kulturschaffenden im digitalen Zeitalter in dieser Weise würdigt.

Die Laudatio bei der Veranstaltung in Hamburg (hier die komplette Aufzeichnung im Video, Laudatio ab Min 20:22) hielt Mark Chung, Musikverleger und nicht zuletzt bekannt als Bassist der Band „Einstürzende Neubauten“.

Mit seiner Erlaubnis gebe ich hier seine Rede wieder – ich danke ihm vielmals für seine freundlichen und klaren Worte!

Laudatio Indie Axt 2018

„Als wir beim VUT vor einigen Jahren anfingen Lobbyarbeit ernsthafter zu betreiben, gingen wir – ohne darüber viel nachgedacht zu haben – davon aus, dass Gespräche mit den Grünen zu den Leichteren zählen würden. Für weite Teile unserer Bekanntenkreise waren die Grünen damals die einzig wählbare Partei, es gab auch schon einige persönliche Kontakte vor allem mit grünen Kulturpolitikerinnen  und –politikern.

Unser erster richtiger Lobbyistenbesuch bei einem grünen Bundestagsabgeordneten – damals von unserem Justitiar Reinher Karl und mir – verlief allerdings anders als erwartet. Der Abgeordnete, jemand vom Land, gar nicht so weit von hier, hatte sein Büro mit Geschenken von Google dekoriert, was wir – zur Kenntnis nahmen.

Und innerhalb von 10 Minuten warf er uns sichtlich genervt aus seinem Büro.

Bzw. versuchte er uns aus seinem Büro zu werfen, denn in einer etwas bräsigen Mischung aus Chuzpe und passivem Widerstand weigerten wir uns zu den süßesten Gesängen des Justitiars, das Büro zu verlassen ohne Antwort auf unsere offensichtlich impertinenten Fragen erhalten zu haben. Das eskalierte eine Zeitlang zu einer Art mexikanischem Stand-Off bis es beiden  Seiten peinlich wurde und unpassend erschien, wir irgendwie wieder runterkletterten, uns noch ein wenig zivilisiert unterhielten und verabschiedeten.

Ein etwas skurriler Einstieg in die professionelle Lobbyarbeit, der uns verdeutlichte, dass die Weltsichten des VUT und die zumindest einiger grüner Politiker weniger übereinstimmten als gedacht. Eine Erfahrung, die auch die Empfängerin des Via Awards gemacht haben könnte – wenn ja, ist sie damit aber wesentlich klüger und kenntnisreicher umgegangen ist als Reinher und ich damals.

Helga Trüpel ist schon viele Jahre eine der wichtigsten Gesprächspartnerinnen des VUTs in europäischen Fragen. Wir haben großen Respekt davor, wie gründlich und vielseitig sie sich informiert bevor sie sich eine Meinung bildet – und vor der enormen Energie und Umsicht mit der sie ihre Meinung dann vertritt, wenn nötig, auch innerhalb Ihrer eigenen Partei.

Es ist uns eine große Freude ihr einen Via Award zu verleihen, nicht weil wir deckungsgleiche Ansichten zu allen Dingen haben – das haben wir auch mit Helga nicht! – aber der VIA Award wird bekanntlich für Großartigkeit vergeben und weil er vom VUT kommt natürlich auch für Unabhängigkeit – und Helga ist großartig und denkt und handelt im besten Sinne unabhängig.

Es ist auch ein kleiner Dank für ihren unermüdlichen Einsatz in einer Sache in der wir uns einig waren – dem Richtlinienentwurf der Europäischen Kommission zum UrHR in Europa, insbesondere dem für uns alle so wichtigen Artikel 13 des Entwurfs. Dass das EP am 12. September mit so klarer Mehrheit für den Entwurf der K gestimmt hat, ist u. E. auch ihrem Einsatz zu verdanken. Mein neuer Vorstandskollege Andreas hat gestern etwas zitiert, dass ich sehr passend hierzu fand, sinngemäß: Es gibt in diesen Dingen keine Siege und Niederlagen, nur Fortschritt –und über diesen Fortschritt freuen wir uns gemeinsam mit Helga.

Wenn ich es richtig verstanden habe, hat Helga sich entschieden, in absehbarer Zeit keine Ämter auszuüben, was es uns noch leichter macht ihr diesen Award jetzt zu überreichen – weil schon dadurch klar  ist dass wir keinerlei Gegenleistung erwarten – die von Helga ohnehin nicht zu erwarten wäre.

Wir verleihen die Indie Axt 2018 hiermit an Helga Trüpel.

Wie es sich bei den großen Stars auf Awardshows gehört, kann Helga den Award heute nicht selbst entgegennehmen. Helga ist zwar nicht im  Studio, aber gewissermaßen auf Tour. Und sie hat  uns – wie es sich ebenfalls gehört – ein kleines Video geschickt.“