Navigation einblenden
Allgemein

YouTube wird NICHT sterben! Zur aktuellen Verunsicherung unter deutschen YouTubern

Vor Kurzem hat YouTube-Chefin Susan Wojcicki einen Brief veröffentlicht, indem sie die geplante Reform des europäischen Urheberrechts massiv angreift. Wie ich bereits dargelegt habe, sind ihre Ausführungen völlig irreführend. Leider hat sie nun in der deutschen YouTube-Community breiten Anschluss gefunden. In einer Reihe von vielfach geteilten Videos behaupten einige YouTuber fälschlicherweise, das Reformvorhaben der EU führe dazu, dass YouTube im kommenden Jahr ihre Kanäle aus Sorge um Urheberrechtsverletzungen löschen müsse. Kleine Anbieter hätten keine Chance mehr, von YouTube bliebe am Ende nichts anderes als eine Mediathek der großen Fernsehsender, so die Befürchtungen.

Viele junge Menschen, Betreiber von YouTube-Kanälen ebenso wie deren Abonnenten, sind nun enorm verunsichert. Das verärgert mich über alle Maßen, denn derartige Behauptungen sind absolut wilde Horrorszenarien und haben weder etwas mit den Intentionen noch mit den potentiellen Konsequenzen des (noch in Arbeit befindlichen!) Gesetzestextes zu tun. Glücklicherweise haben sich bereits eine Reihe von Kommentatoren geäußert, die das ökonomische Eigeninteresse und die sachlichen Verkürzungen hinter der YouTube-Kampagne „SaveYourInternet“ deutlich einordnen – von FAZ und ZDF über netzwelt bis zu MrWissen2Go.

Als Unterstützerin der Reform habe ich meine Argumente für eine Stärkung der Rechtsposition der Urheber gegenüber jedweden Verwertern – sei es nun YouTube und Facebook oder große Verlage – immer wieder ausführlich erläutert. Diese Reform ist nicht perfekt, aber der Status Quo ist für die Kulturschaffenden – wir reden hier von Musikern, Filmemachern und Journalisten – nicht haltbar. Artikel 13 und andere Maßnahmen zielen auf eine Verbesserung der Lage in Richtung eines fairen Netzes und behalten durch eine Vielzahl von Ausnahmeregelungen die Freiheit der Nutzer im Auge. Gegen die grassierende Mythenbildung  („Zensurmaschine“, „Linksteuer“, etc.) hier ein kleiner Faktencheck.

Die laufende Intervention von YouTube in eine jahrelange demokratische Debatte und einen konkreten Gesetzgebungsprozess besorgt mich, denn sie instrumentalisiert ohne jeden Skrupel die Ängste junger Leute, um sich der angemessenen Vergütung der Kulturschaffenden zu verwehren. Das ist unverantwortlich und anmaßend. Ich bitte daher alle Interessierten und Betroffenen, sich die Zeit für verschiedene Argumente zu nehmen, um nicht unnötigerweise der Panikmache von YouTube auf den Leim zu gehen.