Navigation einblenden
Allgemein

Antisemitismus in Deutschland und Europa: „Es geht um die liberale Gesellschaft als Ganzes!“ (Veranstaltungsbericht)

Am vergangenen Mittwoch durfte ich den Journalisten Richard C. Schneider und die Schriftstellerin Deborah Feldmann im Gespräch zum Thema „Antisemitismus in Deutschland und Europa“ erleben.

In der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin trafen mit dem nach Israel ausgewanderten Journalisten Richard C. Schneider und der aus einer ultra-orthodoxen Gemeinde geflohenen Deborah Feldman, die jetzt in Berlin lebt, zwei sehr unterschiedliche Perspektiven aus der jüdischen Community aufeinander. Umso bereichernder wurde die Diskussion zwischen den beiden, die zwischen politischen Beobachtungen und persönlichen Erfahrungen hin- und hersprang.

Feldman betonte, dass sie in Berlin eine neue Heimat gefunden hat, in der sie sich wohlfühle. Einen alltäglichen, unbewussten Antisemitismus, so wie er ihr manchmal in den Vereinigten Staaten begegnet wäre, gebe es hier weniger, so Feldmann. „Die Deutschen sind vom Holocaust besessen, genauso wie wir Juden – das haben wir gemeinsam.“ Trotzdem habe sie auch negative Erfahrungen gemacht. „Ich habe hier gelernt, dass ich mein Judentum nicht so offen ausleben darf, wie ich es am Anfang gewohnt war“. Dabei ist sie gar nicht religiös, es geht allein um einfache Symbole und Gegenstände, wie zum Beispiel eine unverpackte Menora beim Umzug.

Für Schneider ist das ein Grund, warum er sich gegen ein Leben in Deutschland entschieden hat. Er sei es leid, immer auf seine Identität als Jude reduziert zu werden. „Deswegen bin ich gerne in Tel Aviv, wo das niemanden interessiert.“ Der ehemalige ARD-Journalist betonte, dass ein Angriff auf eine Minderheit immer ein Angriff auf alle Minderheiten sei. „Manche haben es immer noch nicht verstanden: Beim Thema Antisemitismus steht unsere gesamte liberale Gesellschaft auf dem Spiel.“

Beide sprachen sich zum Schluss für stärkeres zivilgesellschaftliches Engagement aus. „Die Politik kann Gesetze machen, aber der Austausch in einer multikulturellen Gesellschaft, der kann nur von uns Bürgerinnen und Bürgern kommen“, resümiert Feldmann.

Ich kann mich den Worten der beiden nur anschließen. Der Antisemitismus in Europa hat in den letzten Jahren zugenommen – da sind sich 90% der europäischen JüdInnen sicher (FRA). Das darf nicht einfach so hingenommen werden! Ich wünsche mir eine EU, in der keine Minderheit sich bedroht fühlen oder Angst haben muss.

Foto: Uwe Steinert

Organisiert habe ich die Veranstaltung gemeinsam mit B’nai B’rith und der Unterstützung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, der Zentralen Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, der JSUD und dem Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienwerk.

Von der Diskussion berichtete auch die Jüdische Allgemeine.