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Warum Wir Öffentliche Bibliotheken Schützen und Stärken Müssen

Der gestrige Workshop im Kultur- und Bildungsausschuss des Europäischen Parlamentes setzte sich mit der neuen Rolle von öffentlichen Bibliotheken auseinander. Welche Bedeutung haben öffentliche Bibliotheken für die lokalen Gemeinden? Wie fördern sie Medien- und Informationskompetenzen und welche Herausforderungen und Möglichkeiten bietet die Digitalisierung und in diesem Zusammenhang das E-Lending?

Öffentliche Bibliotheken haben eine wichtige gesellschaftspolitische Funktion: sie ermöglichen den freien Zugang zu  Informationen und Medien. Sie bieten Raum für ein selbstreguliertes und autonomes Lernen für verschiedene Zielgruppen. Als soziale Kontaktpunkte in einer zunehmend fragmentierten Gesellschaft bringen öffentliche Bibliotheken Menschen verschiedener Altersgruppen und Herkunft zusammen und stellen für Gemeinden und Stadtviertel wichtige Orte des Kennenlernens und Austausches dar. Gerade für die Integration von neuen Gesellschaftsgruppen und Flüchtlingen leisten öffentliche Bibliotheken einen wichtigen Beitrag zum Spracherwerb, zur Alphabetisierung und zum gegenseitigen kulturellen Kennenlernen. Sie sind „Oasen“ des Lernens und der Weiterbildung und zentral für das lebenslange Lernen. Öffentliche Bibliotheken sind wichtige Kooperationspartner für erweiterte Angebote von Bildungsinstitutionen, gerade für Schulen. Neben dem formalen Lernen in Schulen, bieten öffentliche Bibliotheken ein Umfeld für die non-formale Bildung. Für einen kritischen Umgang mit Medien und Informationen gerade für junge Menschen, spielen sie bei der Förderung der Medien- und Informationskompetenz eine wichtige Rolle.

Eine zentrale Herausforderung für Bibliotheken stellt die Digitalisierung der Medien- und Informationswelt dar. E-Lending steigt im Trend, während das Ausleihen von Printausgaben rückläufig ist. Daher stehen öffentliche Bibliotheken bei der elektronischen „Ausleihe“ nicht nur vor einer finanziellen Herausforderung, sie müssen sich auch mit hohen rechtlichen Hürden auseinandersetzen. Der Verleih digitaler Medien durch öffentliche Bibliotheken ist nicht gesetzlich geregelt, die derzeitigen Urheberrechtsgesetze gelten ausschließlich für Werke, die auf physischen Trägern veröffentlicht sind. In der Regel werden elektronische Werke über eine Lizenzvereinbarung zur Verfügung gestellt. Dabei gibt es kein „One-Fits-All Modell“, sondern verschiedene Lizensierungsmodelle existieren parallel. Entscheidend hierbei ist, dass die Bibliotheken mit den Verlagen verhandeln müssen, was von einer öffentlichen Bibliothek für ihre Nutzer zur Verfügung gestellt werden kann. Verlage sind nicht immer bereit, Lizenzen einzuräumen. Bibliotheken müssen aber weiterhin die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, welche Bücher sie ausleihen wollen. Eine gesetzliche Klarstellung ist daher wünschenswert.

Wir müssen öffentliche Bibliotheken darin unterstützen, ihre Lernangebote und gesellschaftliche Funktionen an diesen neuen Kontext anzupassen. Konkret bedeutet das: Innovation im Bibliotheksbereich fördern, die Vermittlung von Medien- und Informationskompetenzen ausbauen und einen klaren rechtlichen Rahmen für Urheberrechtsfragen setzen.